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06. Dezember 2020:
ABGESAGT: Highlights
St. Johann, Schaffhausen

Willkommen bei der
Stadtmusik Harmonie Schaffhausen

 

Vereine, die «stillen» Verlierer der Pandemie (von Marianne Braun, aus Vereinsheft 4/2019) marianne braun

Völlig unerwartet hat mich die Anfrage von Willy erreicht, einen Bericht für die Vereinsnachrichten zu schreiben. Es war ja gar nicht viel geschehen über was man musikalisch berichten könnte. Die Agenda ist nur voll von Anlässen, welche gestrichen oder allenfalls verschoben wurden.

Ich hoffe von Herzen, dass ihr alle gesund seid und die vergangenen Monate gut gemeistert habt. Das Corona-Jahr 2020 wird uns allen lange in Erinnerung bleiben; erkrankte Freunde und Bekannte, verbarrikadierte Beizen und Läden, stillgelegte Bergbahnen und geschlossene Pärke, um nur einiges aufzuzählen. Unser soziales und wirtschaftliches Leben wurde Mitte März vom Bund auf ein Minimum runtergefahren. Wir haben leider unsere veranstaltungsbedingten Zustupfe in die Vereinskasse verloren, der zeitweilige Ausfall der Musikproben, das plötzliche Wegfallen des gemeinsam verbindenden Musikerlebnisses, der Geselligkeit, des Austausches und des in solchen Verbindungen überaus wertvollen Vereinsgefühls hinterlässt den weitaus grösseren Schaden, der mit keinem Geld der Welt wieder gut gemacht werden kann. Für viele Mitglieder ist die Mitgliedschaft im Verein mehr als nur musikalisches Hobby – es ist vielmehr der dringend benötigte Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag, das stärkende Umfeld, nebst Familie oder gar die «Familie» des Alleinstehenden.

Zwischen all diesen schwierigen Momenten gibt es aber zum Glück auch Lichtblicke - die entschleunigte Freizeit!

Am 16. März 2020 hat uns unser Präsident per Mail informiert, dass alle Proben bis auf weiteres abgesagt sind. Verschieben, verschieben, verschieben! Das war leider das Motto des Frühjahres. Jedoch war das erst der Anfang von vielen folgenden Absagen: Unsere GV, das Jahreskonzert, den Auffahrtsgottesdienst, das Sommerkonzert auf der Breite, ja sogar bereits die Olma, all diese Anlässe sind dem Covid19 zum Opfer gefallen. Unser Dirigent, Daniel Jenzer, verfasste schnellstmöglich eine Videobotschaft, wie wir trotzdem unsere Motivation beim Üben beibehalten können. Auch hatten wir die Möglichkeit, per Videochat mit Felix Meisterhans schwierige Stellen zu üben und Tipps einzuholen. Unser Notenverwalter ad interim, Andrea Reale, belieferte uns fleissig mit neuem Notenmaterial, sodass wir eigentlich definitiv keine Ausreden hatten, nicht zu üben.

Trotz allen Möglichkeiten ist bei mir leider die Motivation nach den ersten Wochen verschwunden und ich machte einen persönlich musikalischen Lockdown. Mir fehlte irgendwie die Perspektive auf was ich üben soll; auf das allfällig verschobene Jahreskonzert, das Sommerprogramm oder doch schon auf unser Highlight im Dezember? Zudem war es im ganzen Quartier so ruhig. Alle sind brav dem Aufruf des Bundesrates gefolgt mit dem neuen Slogan «bleiben Sie zu Hause»! Sogar der Himmel blieb leer und kein Flugzeug durchbrach diese Stille. So getraute ich mich nicht, die Leute mit meinem Üben zu «belästigen». Ich machte Notenstudium im Stillen, im Wissen, dass das den Ansatz nicht pflegt… das war mir natürlich sehr bewusst! Anstelle von Musikproben am Montagabend pflegte ich nun den persönlichen Kontakt mit Telefongesprächen, Whats-App-Nachrichten oder auch mal wieder ein Mail.

Ich war in der glücklichen Lage und durfte während der ganzen Zeit ins Büro zur Arbeit. So hat sich für mich vom Arbeitsplatz her nicht viel verändert. Zu Hause hatte ich jedoch eine neue Situation: Mein Sohn Reto musste von der Kantonsschule auf Homeschooling umstellen und der Esstisch wurde zum Lernplatz umfunktioniert. Nach langem Hin und Her, bis endlich der Entscheid vom Bund gefallen war, durfte er schlussendlich auch noch für die Maturaprüfung alles von zu Hause aus büffeln. Aber auch diese Zeit ging gut über die Bühne, es kam ja niemand zu Besuch! Leider hat die Abschlussfeier zur bestanden Maturaprüfung nur im kleinen Rahmen ohne grossen Maturaball stattgefunden. Da hätte ich einmal im Leben so eine Möglichkeit und auch da wird nichts draus. Naja, jetzt hoffe ich auf ein wunderschönes Abschlussfest nach dem Studium in einigen Jahren….

Als dann von Rolf Widmaier am 07. Juni 2020 das Mail gekommen ist, dass es musikalisch wieder losgeht, wenn auch vorerst nur mit Registerproben, ist mir ganz schnell bewusst geworden; jetzt muss ich wieder ran ans Instrument. Wenigstens hatte ich meine Klarinette in dieser ruhigen Zeit auf Vordermann gebracht, alle Klappen poliert und die Korken eingefettet. So machte es mir umso mehr Freude, den Instrumentenkoffer wieder zu öffnen und das Instrument hervor zu holen.

Zwischenzeitlich bin ich nun also ebenfalls wieder «aktiv» dabei. Die Proben werden sicherlich, den Umständen entsprechend, noch einige Zeit mit den nötigen Schutzmassnahmen stattfinden.

Wir waren jetzt lange genug zu Hause und haben brav Abstand gehalten, sodass das gesellschaftliche Leben nun wieder hochgefahren werden kann, und es bald wieder möglich sein wird, ein Konzert zu geben, sofern es die Coronapandemie und die geltenden Konzepte erlauben. Die Vorfreude darauf ist bereits riesig!

Ich freue mich, wieder mit euch die wiedergewonnene Gemeinschaft und Geselligkeit im Verein zu geniessen. Auf bald!

Es grüsst euch Marianne Braun.
 

R(h)ein-Quartett (von Andrea Reale) andrea reale

Nachdem in der Stadtmusik Harmonie Schaffhausen sämtliche Proben und Konzerte aufgrund der Corona Pandemie (Covid19) zum Opfer gefallen sind und die Platzverhältnisse in unserem Probelokal an der Rheinstrasse Schaffhausen (aufgrund der Abstandsregeln) keine Gesamtproben mehr zulassen, können bis auf weiteres keine Proben und Konzerte durchgeführt werden. Es wurde ein Konzert nach dem anderen sowie eine Probe nach der anderen abgesagt.

Daher haben sich 1 Musikantin und 3 Musikanten kurzfristig entschieden, das R(h)ein-Quartett zu gründen, um somit unserem Hobby «Musik» weiter nachgehen zu können. Immer nur dieselben Etüden und sonstige Ton-Übungen zu Hause zu spielen, sind auf die Länge gesehen nicht immer gerade motivierend und aufbauend. Auch die bis jetzt bestehende sowie die neu dazugekommene Literatur in der SMHS wurde sicher inzwischen vielleicht schon mehrere Male von oben nach unten und von hinten nach vorne geübt. Unser Dirigent Daniel Jenzer hat uns in dieser schwierigen Zeit zwar sehr aufbauende, motivierende Videos gesandt mit Tipps für ein zielorientiertes Üben. Aber auch diese sind inzwischen Standard geworden und als aktive, umtriebige Musiker haben wir Interesse, mal etwas Anderes auszuprobieren. Daher entstand etwas Kleines, Neues.

Der Name R(h)ein-Quartett ist eine kleine Wortspielerei und besteht eigentlich aus zwei Wörtern. Das erste Wort heisst Rein-. Wir sind ein reines Quartett, d.h. 4 Personen. Das zweite Wort innerhalb unserer Namensgebung heisst Rhein-. Das weist darauf hin, dass wir 4 Personen am Rhein, in der schönen Munotstadt «Schaffhausen», wohnen, leben und aktiv am Kulturleben teilnehmen.

Mit unserem Quartett haben wir genügend Abstand zueinander und sind flexibel bei den Auftritten, um auch in kleineren Räumen oder Aussenbereichen spielen zu können. Initiiert wurde das Ganze von Beda Schöpfer (Tuba) und nach ein paar kurzen Telefonanrufen bei den weiteren Beteiligten war die Sache geregelt und es konnte gleich losgehen mit Proben. Somit trafen sich nachfolgende Musikantin und Musikanten im Probelokal der Stadtmusik Harmonie Schaffhausen:

  • Helena Stäheli, Trompete
  • Rolf Widmaier, Tenorhorn
  • Beda Schöpfer, Tuba (Bass)
  • Andrea G. Reale, Trompete

Das R(h)ein – Quartett anlässlich des Konzertes im Wohnheim «Hand in Hand» in Hemmental+Das R(h)ein – Quartett anlässlich des Konzertes im Wohnheim «Hand in Hand» in Hemmental+
(von links nach rechts: Andrea G. Reale, Rolf Widmaier, Armin Schmidlin, Beda Schöpfer, Helena Stähli)

Wir haben in nur 4 Proben ein Konzertprogramm zusammengestellt, welches vorwiegend bekannte Schweizer Lieder aus den 40er, 50er und 60er Jahren sowie leichte Unterhaltungsmusik aus den frühen 70er Jahren beinhaltet. Da es uns ein grosses Anliegen war, den nicht mehr mobilen Personen eine Freude zu bereiten, haben wir uns bis anhin auf Alters- und Pflegeheime beschränkt.

Begonnen haben wir mit unserem 1. Auftritt im Alters- und Wohnheim «La Résidence» an der Stettemerstrasse in Schaffhausen.

Eine Woche später ging es weiter mit dem nächsten Auftritt im Altersheim Steig an der Stokarbergstrasse, bei welchem einige Bewohner zu unseren Klängen das Tanzbein schwangen. Das hat uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit unserer Literatur. Einen weiteren Auftritt hatten wir im Wohnheim «Hand in Hand» in Hemmental. In diesem Wohnheim wohnt auch unser sehr geschätzter, langjähriger Tambour, Schlagzeuger und jetziges Ehrenmitglied Armin Schmidlin. Dies war für ihn zugleich auch ein verspätetes Geburtstagsständchen.

Ein weiterer Auftritt hat am Donnerstag 27. August 2020 im Altersheim am Kirchhofplatz in Schaffhausen stattgefunden.

Bevor wir aber mit den Konzerten beginnen konnten, musste zuerst geprobt werden. Der Beginn der Proben war Afang Juni 2020. Rolf Widmaier (MUKO-Präsident) hat uns mit Notenmaterial aus dem SMHS-Archiv eingedeckt und so ging es los. Gleich in der ersten Probe hat sich gezeigt, dass wir als geübte und versierte Musikanten keine grossen Erklärungen benötigen, welches Stück wie gespielt werden muss. Natürlich hat das eine oder andere Musikstück nochmals durchgespielt und verbessert werden müssen. Da vielleicht das Tempo oder der eine oder andere Ton nicht sauber gespielt bzw. intoniert wurde. Weiterhin gab es auch ab und zu gewisse Unklarheiten (Gewurschtel), die zu grossen Fragezeichen in den jeweiligen Gesichtern geführt hat. Zumal der eine oder andere noch seine eigene Interpretation und künstlerische Freiheit zum Besten gegeben hat. Dies wurde von dem einen oder anderen Mitspieler sehr wohl bemerkt, aber nicht gleich auf Anhieb verstanden. Die Musik kann eben auch als Fremdsprache ausgedrückt werden. Dazu benötigt es ab und zu auch eine dementsprechende Erklärung des Interpreten, welche sich aber schnell verständlich machen und keine weiteren Fragen und Wünsche offen lässt. Auch wurde bei der Trompete festgestellt, dass in diesem Quartett ein Musikstück gespielt wird, welches normalerweise die Aufgabe einer Klarinette wäre. Da wir aber ein reines Blechquartett sind, konzentrieren wir uns auf unser Blechinstrument und das Ganze wird einfach und locker mit nur 3 Ventilen gespielt.

Wir haben inzwischen sehr viel Freude und Spass mit unserem Quartett. Daneben hat es noch den Vorteil, dass wir unseren Ansatz sowie die Ton- und Spieltechnik aufrechterhalten und zugleich noch vielen Leuten eine Freude bereiten können. Auch sind wir ein Quartett mit viel Humor, bei dem wir innerhalb der Proben und Konzerte öfters mal über das eine oder andere lachen können. Dies belebt unsere Freude sowie die Motivation mit unserer Musik, dem R(h)ein-Quartett, weiter zu machen, auch unter den derzeitigen nicht immer einfachen Umständen.

Andrea G. Reale